Amateurfunk. Amateurfunk? Amateurfunk!

In this statement I describe my attitude to amateur radio in relation to the situation in Germany. Sorry, it is available in german only.

Es ist immer wieder interessant, Diskussionen in verschiedenen Facebook-Gruppen und Foren zu Themen wie “Einsteiger-Einsteiger-Lizenz” (kein Tippfehler) oder “Zukunft des Amateurfunks” zu verfolgen.  Dabei geht es mitunter äußerst hitzig, einseitig und unsachlich zu. Einige (Lizenzinhaber) offenbaren in ihren Diskussionsbeiträgen ein Verständnis vom Amateurfunk, das mit dessen Definition und seinem Grundgedanken nicht wirklich viel zu tun hat.

Das hat mich dazu veranlasst, meine ganz persönliche Einstellung zu diesem großartigen Hobby zu formulieren. Ich erlaube mir, diesen Text fortzuschreiben.

Was unter Amateurfunk zu verstehen ist, definiert §2.2 des Amateurfunkgesetzes doch ganz unmissverständlich:

§2.2 Amateurfunkdienst, ein Funkdienst, der von Funkamateuren untereinander, zu experimentellen und technisch-wissenschaftlichen Studien, zur eigenen Weiterbildung, zur Völkerverständigung und zur Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen wahrgenommen wird; der Amateurfunkdienst schließt die Benutzung von Weltraumfunkstellen ein. Der Amateurfunkdienst und der Amateurfunkdienst über Satelliten sind keine Sicherheitsfunkdienste.

Diese Formulierung sagt klar und deutlich, worin die Aufgaben des Amateurfunkdienstes bestehen. Und nur, um unsere Aktivitäten innerhalb dieses gesteckten Rahmens so unbürokratisch wie möglich zu gestalten, nur deshalb hat der Gesetzgeber dem Amateurfunkdienst Privilegien eingeräumt, von denen kommerzielle Funkdienste nicht einmal zu träumen wagen. So wird zum Bespiel von uns nur eine simple Selbsterklärung verlangt, wo andere aufwändige und teure Standortbescheinigungen beibringen müssen. Diese Privilegien sind ein wertvolles Gut. Wenn wir nicht verantwortungsvoll mit ihnen umgehen, besteht die Gefahr, dass wir sie verlieren.

Dass Funkamateure ihre Möglichkeiten nutzen, um miteinander zu kommunizieren, ist selbstverständlich. Das tue ich auch. Den Amateurfunk aber auf die reine Kommunikationsmöglichkeit zu reduzieren, widerspricht der Zweckbestimmung dieses Funkdienstes und stellt ihn gleichzeitig in Frage. Wer nichts weiter möchte, als sich per Funk mit anderen zu unterhalten und mit Equipment von der Stange zufrieden ist, warum nutzt der nicht den CB-Funk? Ist der nicht genau dafür geschaffen worden? Ach so, die dem Amateurfunkdienst zur Verfügung gestellten Bänder bieten bessere Ausbreitungsmöglichkeiten? Vielleicht kann man ja einmal darüber nachdenken, bei der Regulierungsbehörde anzuregen, in den nicht exklusiv dem Amateurfunkdienst zugewiesenen Bändern Teilbereiche dem CB-Funk zugänglich zu machen. Tut uns das weh?

Ein weiterer Umstand, über den permanent lamentiert wird, ist, dass auf vielen Bändern nichts mehr „los“ sei. Das mag vordergründig so sein, denn im Gegensatz zu früheren Jahren hat die rein kommunikative Aktivität, um es vorsichtig zu umschreiben, stark abgenommen. Der gleiche Umstand wird aber auch für den CB-Funk beklagt. Daraus kann man schließen, dass die, denen es nicht auf das Medium „Funk“ ankommt, nunmehr die Möglichkeiten nutzen, die der Mobilfunk und das Internet bieten. Warum auch nicht? Vielleicht ist die Parallelität dieser Entwicklung auch dem Umstand geschuldet, dass in den 80er und 90er Jahren die damalige Führungsriege des DARC es als ihre Aufgabe ansah, möglichst viele CB-Funker zum Amateurfunk zu „bekehren“. Jetzt sind sie wieder weg: hier, wie dort. Davon geht der Amateurfunk aber noch nicht unter.

Es ist bitter, zu erfahren, dass viele Außenstehende den Unterschied zwischen CB-Funk und Amateurfunk nicht (mehr) kennen. Das liegt sicher mehr daran, wie wir uns allgemein nach außen verkaufen, als penibel darauf zu achten, uns als Funkamateure zu bezeichnen und den Begriff Amateurfunker zu vermeiden. Das Stereotyp vom alten Herrn, der stolz die Morsetaste bedient, den Beam drehen lässt und sich mit sonst wem auf der Welt unterhält, zementiert das Bild, das man in der Öffentlichkeit von uns hat. Der Unterschied zum CB-Funk? Allem Anschein nach nur marginal, zumal da ja auch noch diese drögen Runden auf den verschiedenen Bändern und Relais zu hören sind! Die innovativen Aspekte werden dagegen gar nicht wahrgenommen oder zumindest nicht mit Amateurfunk in Verbindung gebracht. Warum ist nirgendwo in den Medien einmal etwas von Satellitenkommunikation oder von Software Defined Radios zu lesen, zu sehen oder zu hören? Vielleicht liegt es daran, dass die, die sich mit diesen Aspekten des Amateurfunks beschäftigen, vor lauter interessanten Projekten noch gar nicht mitbekommen haben, dass der Amateurfunk „ausstirbt“. Es ist auf jeden Fall bedenklich, wenn in den Medien augenzwinkernd über ein paar “Verrückte” mit großen Antennen berichtet wird und Karnevalsvereine ernster genommen werden, als eine Organisation, deren Mitglieder sich in ihrer Freizeit oft auf hohem Niveau mit technischen und wissenschaftlichen Fragen  beschäftigen.

Dem Amateurfunkdienst sind eine Vielzahl von Frequenzbereichen mit höchst unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften zugänglich gemacht worden. Damit haben Funkamateure die Möglichkeit, sich im technisch-wissenschaftlichen Sinne mit der zugrunde liegenden Physik auseinanderzusetzen. Um diese Frequenzbereiche für den Amateurfunkdienst zu erhalten, ist es nicht nötig, sie so stark, wie möglich zu „aktivieren“, sondern vielmehr sinnvoll zu nutzen. „Bandbelebung“ wird an keiner Stelle des Amateurfunkgesetzes gefordert! Es ist kaum vorstellbar, dass in Frage gestellte Frequenzzuweisungen nur deshalb erhalten bleiben, weil dort viele Gespräche stattfinden, die auch genauso gut per Telefon oder Skype geführt werden könnten. Die Diskussion wird eher darüber gehen, wie sehr die Frequenzbereiche im Sinne des §2.2 AFuG genutzt werden. Aus diesem Grund kommen doch immer wieder neue Frequenzbereiche dazu, andererseits werden bestehende Zuweisungen auch einmal hinterfragt. Das ist doch ganz normal!

Wer die Grundlagen der Wellenausbreitung beherrscht und die Besonderheiten der verschiedenen Frequenzbereiche kennt, wer sein Equipment optimiert und offen für Neues ist, der hat auch in Wettbewerben die Nase vorn. Contests bieten die Möglichkeit, das eigene Equipment zu erproben und die Betriebstechnik zu verbessern. In den USA werden erfolgreiche Contest-Operateure von den Notfunk-Organisationen umworben, weil diese als Funkamateure unter Beweis stellen, dass sie in der Lage sind, auch unter Stress Funkverbindungen schnell und sicher abzuwickeln. Und wenn es doch einmal um die quantitative Nutzung von Frequenzbereichen gehen sollte, genügt doch einfach ein Hinweis auf die entsprechenden Teilnehmerzahlen in Wettbewerben.

Apropos Notfunk: Der §2.2 führt auch die Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen auf. Sicher ist es hilfreich und sinnvoll, wenn sich Funkamateure Gedanken darüber machen, wie sie in entsprechenden Situationen über eine funktionstüchtige Funkausrüstung verfügen können. Das macht aber aus Interessenverbänden, wie dem DARC, noch lange keine Katastrophenschutz-Organisationen. Notfunk ist und bleibt ein Aspekt unter vielen. Vielmehr sollten sich interessierte Funkamateure beispielsweise in den Fernmeldezügen der Hilfsorganisationen, wie THW oder DRK, engagieren. Dort können sie ihre Kenntnisse einbringen und wertvolle Brückenfunktionen zum Amateurfunk übernehmen. Das Thema Notfunk im Amateurfunk ist eine Gratwanderung. Einerseits ist viel seriöses und qualifiziertes Potential für den Fall der Fälle vorhanden. Andererseits muss der Eindruck vermieden werden, dass es sich bei den dafür engagierten Menschen um Wichtigtuer mit Helfersyndrom handelt. Wenn ich, wie kürzlich auf der A7 bei Kassel, ein zu einer mobilen Notrufsäule mutiertes Auto mit groß aufgedrucktem Amateurfunkrufzeichen, Antennen und Blinklicht sehe, dann bin ich peinlich berührt. Darin lebt der Geist der auf Sinnsuche befindlichen frühen CB-Funker mit ihren Notfunk-Vereinen weiter. Ich interpretiere die Formulierung im Gesetz dahingehend, dass sie uns ausdrücklich davon entbindet, für Hilfeleistungen in Notsituationen, zu denen wir gesetzlich ohnehin verpflichtet sind (in Deutschland nach § 323c StGB), erst noch besondere Ausnahmegenehmigungen einholen zu müssen.

Der Amateurfunk verändert sich permanent, das ist sein Wesen. Neue Technologien, neue wissenschaftliche Erkenntnisse prägen seine Inhalte. Wäre das nicht so, dann wäre er überflüssig. Digitalisierung, Satellitenkommunikation, neue Betriebsarten, Vernetzung und vieles mehr definieren den Stand der heutigen Amateurfunktechnik. Damit kommen viele nicht klar. Gefragt ist hier aber Toleranz! Telegrafie ist eine uralte Technik, die von manchen als die Seele des Amateurfunks vergöttert und von anderen als völlig überholt angesehen wird. Es spricht nichts dagegen, innerhalb des Amateurfunks auch eine Art Brauchtumspflege zu betreiben. Wir dürfen unsere Wurzeln und unsere Geschichte nicht vergessen. Dass Telegrafie ein Weltkulturerbe ist, steht außer Frage. Sie ist als robuste Möglichkeit, unter widrigen Umständen Informationen auszutauschen immer noch hoch aktuell. Genauso interessant sind aber auch die Möglichkeiten, die digitale Betriebsarten im Vergleich dazu zu bieten haben. Technik-Phobie hat im Amateurfunk keinen Platz.

Amateurfunk ist ein extrem vielseitiges Hobby. Und das wird es auch bleiben. Jeder Funkamateur hat einen Anspruch darauf, mit seinen Interessen und Schwerpunkten von allen anderen Funkamateuren akzeptiert zu werden. Da darf auch die Lizenzklasse keine Rolle spielen. Der viel beschworene HAM-Spirit will gelebt werden! Das schließt aber nicht aus, Kritik an Fehlentwicklungen zu äußern und sie sachlich zu diskutieren. Darüber sollte man nicht vergessen, was der Amateurfunk ist und wo seine eigentliche Zweckbestimmung liegt (siehe oben).

Oh! Ich vergaß, es geht ja auch immer wieder um die Einsteigerlizenz, genauer gesagt um eine Lizenzklasse noch unterhalb dieser ja schon vorhandenen Einsteiger-Klasse “E”. Es geht auch um Nachwuchsgewinnung. Irgendwie erscheint es mir widersinnig, zu versuchen, junge Menschen für den „Amateurfunk“ begeistern zu wollen. Ich begeistere meine Enkelkinder auch nicht für meinen Werkzeugkasten. Sie benutzen aber seinen Inhalt mit Begeisterung, um zu hämmern, zu sägen und zu basteln. Amateurfunk ist Mittel zum Zweck! Nachwuchsgewinnung kann nur heißen, Menschen für Technik und Wissenschaft zu begeistern und ihnen zu zeigen, wie man den Werkzeugkasten „Amateurfunk“ einsetzen kann, um dazuzulernen, Neues zu erfahren und selbst gesteckte Ziele zu erreichen. Wer nicht von vornherein eine Idee hat, wozu er seine Amateurfunklizenz nutzen möchte, der sollte sich den Prüfungsaufwand besser ersparen. Spätestens jetzt kommen die, immer rufen: „Pfui, das ist ja elitär!“ Nun ja, „elitär“ ist vielleicht etwas hoch gegriffen. Aber: Amateurfunk ist schon etwas Besonderes, allein wegen der Privilegien, die Funkamateure genießen (wenn sie wollen). Die Gewährung von Privilegien ist jedoch immer an Voraussetzungen gebunden. In unserem Fall ist das unsere Qualifikation, die durch das Ablegen einer Prüfung nachgewiesen werden muss. Wer fordert, diese erforderliche Qualifikation auf ein immer niedrigeres Niveau zu schrauben, ist sich nicht darüber im Klaren, was das in Bezug auf unsere Privilegien bedeuten kann.

Nur wenn den Entscheidungsträgern in der Politik klar ist, dass der Amateurfunk eine wichtige Rolle in der qualifizierten Ausbildung des Nachwuchses in Wissenschaft und Technik spielt, dass interessierte Laien (Amateure) sich in diesem Rahmen weiterbilden können, dass hier Potential für die Unterstützung in Not- und Katastrophenfällen vorhanden ist und dass sich bei der Beschäftigung mit der Funktechnik automatisch Beziehungen und Freundschaften über alle Arten von Grenzen hinweg ergeben, nur dann kann es ein öffentliches Interesse geben, den Amateurfunk auch in der Zukunft in dieser Form fortbestehen zu lassen.

Mainz, im April 2015, wird fortgeschrieben.

Andreas Imse, DJ5AR / EI8HH

 

Noch eine Anmerkung zur Rechtschreibung: Die Silbentrennung in diesem Text erfolgt automatisch durch WordPress. Allem Anschein nach gibt es dabei nicht nur Probleme mit “ei”und “ie”. WordPress ist Open Source, deshalb werde ich damit leben.